IServ ersetzt das Klassenzimmer

Dank des Coronavirus herrscht am Gymnasium in Bad Bramstedt am Montagmorgen gähnende Leere. Auf der faulen Haut liegen, ist aber nicht. Via IServ stellen die Lehrer Aufgaben in eine Cloud. "Bei uns war das schon vor Corona Praxis", sagt Direktor Holger Oertel, "wir sind vorbereitet."

Einar Behn, 16.03.2020


Astrid Kopetsch und Dr. Holger Oertel erteilen jetzt Unterricht am Laptop, noch in der Jürgen-Fuhlendorf-Schule, doch ab Mittwoch nur noch von zu Hause. Foto: Einar Behn

Bad Bramstedt. Astrid Kopetsch, WiPo- (Wirtschaft und Politik) und Englischlehrerin an der Jürgen-Fuhlendorf-Schule, hat gerade etwas für ihre zehnte Klasse hochgeladen, Thema: "Zug der Zukunft". "Wir hatten in der letzten Woche eine Zukunftswerkstatt im Unterricht eingerichtet", erzählt die Pädagogin. Nun sollen ihre Schüler dazu etwas schriftlich ausarbeiten.

Die Schüler können sich die Aufgabe zu Hause am Computer aus der Internetcloud herunterladen. Wer seinen Text fertig hat, lädt ihn auf IServ wieder hoch. Astrid Kopetsch sieht dann ein Häckchen am Namen des Schülers und kann sich an die Bearbeitung machen.

Aufgaben stehen in einer Cloud

Das Programm IServ - es kommt übrigens nicht von Apple, auch wenn der Name es Glauben macht - wird in Schleswig-Holstein von vielen Schulen eingesetzt, auch die Gemeinschaftsschule Auenland in Bad Bramstedt nutzt es. Schuldirektor Dr. Holger Oertel berichtet: "Wir haben es schon vor drei Jahren eingeführt. Seitdem wird es auch angewendet. Wir sind dadurch gut vorbereitet auf den Unterrichtsausfall." Eine IT-Gruppe, bestehend aus sieben Lehrern, kümmert sich darum, dass die Technik funktioniert und nimmt regelmäßig an Fortbildungen teil.

Laptops stellt die Schule nicht

Die Schüler müssen zu Hause ihre privaten Computer nutzen. Den hat zwar jeder Schüler mittlerweile, aber nicht alle sind auf dem gleichen technischen Stand. Oertel würde es besser finden, wenn die Schule jedem einen Laptop stellen könnte, das würde die Chancengleichheit erhöhen. Doch dafür fehlt dem Schulverband bisher das Geld.

Auch die jüngsten Gymnasiasten sind an IServ angebunden. "Immer im Januar haben wir Medienkompetenztage", erklärt Kopetsch. Dann bekommen die Fünftklässler vermittelt, wie Computer und auch IServ bedient werden. Bei den Zehn- und Elfjährigen sei der Umgang mit dem PC keine Selbstverständlichkeit, auch wenn das immer angenommen werde, hat die Lehrerin festgestellt. "Mit dem Handy oder Tablet kommen sie klar, aber dass ein Computer einen Knopf zum Anschalten und eine Maus hat, wissen längst nicht alle."

Unterricht ist durch Technik nicht zu ersetzen

Neben IServ hat die Schule auch noch die Möglichkeit, ein virtuelles Klassenzimmer einzurichten. Ähnlich wie bei Skype können dann Lehrer und Schüler miteinander konferieren. Bisher wurde davon allerdings noch wenig Gebrauch gemacht.

Oertel sagt: "Es ist gut, dass wir die Technik haben, aber richtigen Unterricht kann sie bei Weitem nicht ersetzen. Ich hoffe, dass dieser nach den Osterferien wieder möglich sein wird."